Wo stehen sie? Was darf rein? Was kostet das? Wer räumt eigentlich auf? Und wie…
463.000 Dinge im Jahr: Was unsere Kreislaufschränke wirklich bewegen
Lange konnten wir auf die Frage „Und, bringt das eigentlich was?“ nur mit einem Bauchgefühl antworten. Die Schränke sind voll, dann wieder leer, dann wieder voll – man sieht ja, dass etwas passiert. Aber wie viel genau? Das wussten wir nicht.
Jetzt können wir Zahlen vorlegen: Ehrenamtliche aus dem Verein haben über mehrere Standorte hinweg gezählt, markiert und hochgerechnet. Herausgekommen sind Zahlen, die vor allem eines sind: belastbar. Kein geschöntes Marketing, sondern eine nachvollziehbare Erhebung mit Methode.

Was die Schränke jedes Jahr leisten
Rund 463.000 Artikel wanderten in 2025 durch unsere Kreislaufschränke zurück in den Alltag. Spielzeug, Geschirr, Kleidung, Deko – Dinge, die sonst vielleicht im Keller verstaubt oder im Müll gelandet wären, bekommen eine zweite Runde.
Weil dabei gebrauchte statt neue Gegenstände genutzt werden, spart das nach einer vorsichtigen Berechnung rund 811 Tonnen CO₂ pro Jahr ein – gestützt auf anerkannte CO₂-Werte für die einzelnen Warengruppen.
Und die Schränke sind gut besucht: Hochrechnungen ergeben über 400.000 Besucher*innen im Jahr – im Schnitt rund 70 Menschen pro Standort und Tag. Jeden Tag werden dabei etwa 1.268 Gegenstände mitgenommen. Über alle 16 Münchner Kreislaufschränke zusammengerechnet, die es zum Zeitpunkt der Erhebung gab. Inzwischen sind es 19 – die tatsächliche Wirkung liegt heute also noch ein Stück höher.
Wie wir zu diesen Zahlen gekommen sind
Das Spannendste an dieser Statistik ist nicht nur das Ergebnis, sondern der Weg dorthin. Denn dahinter steckt keine grobe Daumenpeilung, sondern eine echte Zählung – ergänzt um eine transparente Hochrechnung.
Konzipiert und ausgewertet hat die Erhebung von Denise, eine studierte Statistikerin, die auch beruflich in diesem Feld arbeitet. Ihr Fachwissen hat sie ehrenamtlich in den Verein eingebracht.
Acht der 16 Kreislaufschränke wurden jeweils 24 Stunden lang beobachtet, an einem Tag im Dezember. Zu Beginn haben Ehrenamtliche jeden einzelnen Gegenstand im Schrank mit einem Klebepunkt markiert und gezählt – elf verschiedene Kategorien, farblich unterschieden, von Büchern über Haushaltsgegenstände bis Kleinmöbel. Nach 24 Stunden wurde erneut gezählt, was noch übrig war. Die Differenz zeigt, was in einem Tag mitgenommen wurde.
Aus diesen Beobachtungen wurde dann auf alle 16 Schränke und aufs ganze Jahr hochgerechnet. Für die CO₂-Wirkung kam anschließend für jede Warengruppe ein eigener Wert zum Einsatz – gestützt auf Quellen wie das Umweltbundesamt und das Öko-Institut und bewusst vorsichtig angesetzt.

Warum wir diesen Zahlen trauen können
Zahlen sind nur so gut wie ihre Methode. Deshalb ist es uns auch wichtig besonders transparent zu sein.
Die Erhebung hat Grenzen, und die benennen wir offen: An einzelnen Standorten und Tagen schwanken die Mengen stark, manche Kategorien wurden nur an wenigen Schränken erfasst. Das erklärt, warum die Einzelwerte streuen.
Entscheidend ist aber die Richtung dieser Unschärfe. Gegenstände, die morgens abgegeben und schon mittags wieder mitgenommen wurden, konnten wir gar nicht erfassen – obwohl sie zählen. Gerade an den stark frequentierten Schränken ist der Inhalt oft nach wenigen Stunden komplett ausgetauscht. Menschen, die regelmäßig zu unseren Kreislaufschränken kommen, kennen diesen Umstand nur zu gut. Die echte Zahl liegt also eher über unseren Ergebnissen, nicht darunter. Um das grob auszugleichen, wurde ein vorsichtiger Zuschlag von 10 Prozent gerechnet.
Dazu kommt: Erhoben wurde an 16 Schränken, heute stehen 19 in München. Auch deshalb sind die Zahlen eher eine belastbare Untergrenze als ein Bestwert.
Und auch bei der CO₂-Rechnung haben wir bewusst zurückhaltend geschätzt: Wir gehen davon aus, dass nur die Hälfte der mitgenommenen Dinge tatsächlich einen Neukauf ersetzt – die andere Hälfte lassen wir außen vor. Die zugrunde gelegten CO₂-Werte pro Gegenstand stammen aus anerkannten Quellen (Umweltbundesamt, Öko-Institut, quarks.de) und sind im Zweifel eher niedrig angesetzt.
Kurz: Wir haben eher konservativ gerechnet. Die rund 463.000 Artikel und rund 811 Tonnen CO₂ sind keine geschönten Höchstwerte, sondern liegen eher am unteren Rand dessen, was die Schränke leisten. Das macht sie glaubwürdig.
Woraus sich die CO₂-Ersparnis zusammensetzt
Rechnerisch ergibt sich pro Tag eine Ersparnis von rund 2.222 kg CO₂. Der größere Teil – etwa 1.905 kg – entsteht dadurch, dass ein gebrauchter Gegenstand einen Neukauf ersetzt und die energieintensive Herstellung entfällt. Die restlichen 317 kg kommen daher, dass die Dinge nicht verbrannt werden, sondern weiter im Umlauf bleiben.
Jeder Handgriff am Schrank ist also zweifach wirksam: Es entsteht kein neuer Müll, und es muss nichts Neues produziert werden.


Was das für uns – und für dich – bedeutet
Hinter jeder dieser Zahlen stecken zwei Dinge: Menschen aus der Nachbarschaft, die teilen statt wegwerfen. Und Ehrenamtliche, die die Schränke pflegen, sortieren und am Laufen halten. Ohne die Schrankpat*innen gäbe es keine 463.000 Artikel und keine 811 Tonnen CO₂.
Und genau diese Statistik zeigt: Ehrenamt hat viele Gesichter. Manche betreuen einen Schrank, andere bringen – wie Denise – ihr Fachwissen ein. Für fast jede Fähigkeit gibt es bei uns einen Platz.
Wenn dich diese Zahlen genauso überzeugen wie uns, gibt es viele Wege, Teil davon zu werden:
- Vorbeischauen: Bring gut Erhaltenes zu einem Schrank in deiner Nähe – oder nimm etwas mit, das du brauchen kannst.
- Mitmachen: Werde Schrankpat*in und halte einen Schrank in deinem Viertel am Leben.
- Teilen: Erzähl weiter, was hier passiert. Jede geteilte Zahl macht die Wirkung sichtbarer.
Aus einem Bauchgefühl ist eine belastbare Bilanz geworden. Und die kann sich sehen lassen.
Zur Methode: Die Gegenstände wurden im Dezember an acht der 16 Schränke über je 24 Stunden gezählt und anschließend auf alle Schränke und das Jahr hochgerechnet (mit einem vorsichtigen Zuschlag von 10 %). Die CO₂-Ersparnis ist eine Modellrechnung auf Basis geschätzter CO₂-Werte je Warengruppe – herangezogen wurden dafür Quellen wie das Umweltbundesamt und das Öko-Institut. (Umweltbundesamt, Öko-Institut, quarks.de) Angenommen wurde, dass 50 % der mitgenommenen Dinge einen Neukauf ersetzen. Alle Werte sind daher gerundete, bewusst konservative Schätzungen.
💚 Mehr Infos über unsere Arbeit, Standorte und Mitmachmöglichkeiten findet ihr unter:
👉 www.kreislaufschraenke.de

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