Petra und Jana sind seit Langem ehrenamtlich am Schatzkistl in Obermenzing in München aktiv. Im Interview erzählen sie, was diesen Standort besonders macht, wie sie mit überquellenden Regalbrettern umgehen – und warum Wertschätzung oft das größte Geschenk ist. Ein Einblick in den gelebten Kreislaufgedanken.
Frage: Schön, dass ihr euch Zeit nehmt! Stellt euch doch bitte kurz vor – wer seid ihr und was macht ihr beim Verein?
Petra: Ich bin Petra Hennecke und Koordinatorin für den Schatzkistl hier in Obermenzing.
Jana: Und ich bin die Jana. Ich helfe beim Schatzkistl mit – als Schrankpatin sozusagen.
Und wo genau steht euer Schatzkistl?
Petra: Das ist in Obermenzing, an der Ecke Schäferwiese / Alte Allee – direkt vor dem Edeka. Ein Ort, an dem viele Menschen vorbeikommen. Das macht schon einen Unterschied, weil es hier viel „Laufkundschaft“ gibt.

Was würdet ihr sagen, macht euren Schatzkistl besonders – vielleicht im Vergleich zu anderen Kreislaufschränken?
Jana: Ich kenne ehrlich gesagt keine anderen. Deshalb kann ich nicht vergleichen.
Petra: Aber ich finde: Unser Schatzkistl hat einen großen Vorteil – es steht auf einem Platz, der sehr belebt ist. Viele Menschen kommen hier täglich vorbei. Vor allem, weil der Supermarkt direkt daneben ist. Es gibt viele Begegnungen – Leute kommen und gehen. Da passiert einiges.
Petra, du bist die Schrankkoordinatorin vom Schatzkistl. Was macht man denn genau als Schrankkoordinatorin?
Petra: Also wir haben mehrere Schrankpat*innen, die beim Aufräumen und Aussortieren helfen. Als Koordinatorin kümmere ich mich darum, wer wann dran ist, wer Dienst hat. Wir schauen, dass wir uns gut absprechen, den Überblick behalten und ein bisschen den Zusammenhalt organisieren.

Jana, du bist ja eine von diesen Schrankpat*innen – wie oft bist du denn hier?
Jana: Also müssen, muss ich gar nicht [lacht]. Manchmal bin ich mehrmals die Woche da, manchmal nur einmal im Monat. Ich wohne nicht direkt ums Eck, muss mit dem Auto kommen – deshalb ist es immer ein bisschen abhängig davon, wie’s gerade passt. Es gibt zwar eine Liste, in die man sich eintragen kann – ich habe da auch meinen Tag, aber manchmal wechsle ich das, je nach Situation.
Also ein flexibles Ehrenamt?
Jana: Ja, manchmal zwei- oder dreimal die Woche, wenn’s gerade nötig ist. Und wenn ich sehe, dass der Kreislaufschrank total überquillt oder es schlimm aussieht, komme ich auch spontan vorbei – pack alles ins Auto und bring’s zum Wertstoffhof.
Petra: Ja, Jana ist wirklich unser Rettungsengel. Oft ist es hier so voll – gerade weil so viele Menschen den Schrank nutzen. Dann landen Dinge davor, die hier nicht hingehören. Und Jana kommt in aller Ruhe mit dem Auto und räumt alles aus, was nicht reingehört. Das ist eine riesige Hilfe.
Passiert das öfter, dass größere Sachen im Kreislaufschrank landen?
Petra: Ja, weil der Schrank relativ groß ist, stellen manche auch große Sachen rein – wie alte Drucker oder Kindersitze. Und weil der Platz auf dem der Kreislaufschrank steht lange zugänglich ist – der benachbarte Supermarkt hat täglich 12 Stunden geöffnet – gehen wir davon aus, dass da in der Zeit locker 100 Leute kommen. Manche sind sehr achtsam, andere eher nicht. So sammelt sich einiges.
Jana: Da ist wirklich alles dabei – Nützliches, Unmittelbares, aber auch Dinge, mit denen man nichts mehr anfangen kann.

Kleine Gesten, große Wirkung
Was motiviert dich, Jana, eigentlich, dich ehrenamtlich zu engagieren?
Jana: Gute Frage. Also für mich ist die Idee der Kreislaufwirtschaft einfach großartig. Dinge nicht einfach wegschmeißen, sondern weitergeben – das finde ich super. Vielleicht kommt das auch daher, dass ich aus Tschechien komme. Da hat man früher nicht alles gleich weggeschmissen. Ich finde diesen Gedanken des Umlaufs – oder wie man heute sagt: Kreislaufwirtschaft – total wichtig. Und beim Schatzkistl kann ich das aktiv leben und unterstützen.
Gab es mal einen besonders kuriosen Gegenstand, der dir im Kopf geblieben ist?
Jana: Hm… ich entsorge ja oft die Dinge, die wirklich kaputt oder nicht mehr brauchbar sind. Aber wir hatten mal fünf Kinderwägen gleichzeitig! Das war schon ein bisschen verrückt.
Petra: Und einmal hat sich ein Mann total über einen kleinen Porzellanengel gefreut. Er war vielleicht um die 40, und als er den gesehen hat, war er richtig gerührt. Solche Momente sind schon besonders – auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist.

Ist das Schatzkistl ein Ort an dem nachbarschaftlicher Zusammenhalt sichtbar wird?
Petra: Auf jeden Fall. Was ich richtig cool finde: Hier begegnen sich Menschen aus allen Altersgruppen und aus allen Nationen. Ältere Menschen, Kinder, Menschen mit Rollator, Jugendliche – wirklich querbeet. Manche kennen sich schon, andere nicht, aber alle nutzen den Kreislaufschrank. Und einige helfen auch mal beim Aufräumen mit, einfach so. Das ist wirklich ein Ort, an dem man merkt: Hier passiert was. Auch wenn’s manchmal herausfordernd ist, wird man dann durch solche Begegnungen echt belohnt.
Der Verein ist in diesen Tagen fünf Jahre alt geworden – was wünscht ihr ihm zum Geburtstag?
Jana: Ich wünsche mir, dass weniger Müll abgeladen wird. Also wirklich – dass die Leute kaputte Sachen nicht einfach abstellen und dann denken, wir kümmern uns schon. Ich hab neulich einen Zettel aufgehängt: „Bitte nichts vor dem Schrank abstellen“ – und davor war trotzdem wieder alles voll. Da fragt man sich schon manchmal: Wo ist die Wertschätzung? Es geht ja nicht nur um den Schrank selbst, sondern auch um die ehrenamtliche Arbeit dahinter. Ich wünsche mir, dass man das mehr sieht und achtet.
Petra: Ich wünsche dem Verein einfach: Herzlichen Glückwunsch! Für das großartige Engagement, für alle, die schon mitgemacht haben – und für die nächsten spannenden fünf Jahre. Oder zehn! Wir brauchen Wertschätzung, aus allen Richtungen. Gegenseitige Achtung hilft wirklich – und ein Dankeschön zwischendurch macht oft mehr aus, als man denkt.
Vielen lieben Dank euch beiden für das Gespräch – und für euer Engagement!
Du hast selbst Lust, dich ehrenamtlich zu engagieren?
Dann melde dich bei uns unter kontakt@kreislaufschraenke.de – wir freuen uns über neue Schrankpat*innen und Unterstützer*innen in jedem Stadtteil!
Das Interview hat Daniel geführt, unser Referent für Öffentlichkeitsarbeit.

